Corona: Beratungshonorar erstatten lassen

Neue Umsatzbringer wie Online Services, Lieferdienste oder die Herstellung krisenrelevanter Produkte wollen so schnell wie möglich realisiert werden. Da kann es auch für erfahrene Unternehmer sinnvoll sein, zusätzliche betriebswirtschaftliche Unterstützung an Bord zu holen. Die Kosten dafür können jetzt vom BAFA (Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle) übernommen werden.

Freiberufler und KMU können die Förderung betriebswirtschaftlicher Beratung in Anspruch nehmen, wenn sie durch die Corona-Krise in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen sind. Die Kosten für diese Beratung werden bis zu 4.000 Euro vom BAFA übernommen. Gefördert wird ausschließlich die Beratung durch besonders qualifizierte Berater, wie Steuerberater und Wirtschaftsprüfer. Um die Qualität der Beratung sicher zu stellen, müssen sich alle Berater bei der BAFA registrieren lassen. Da das Programm erst seit April 2020 läuft und die BAFA gerade überrannt wird, sind viele Steuerberater noch nicht registriert. Sprechen Sie gleichwohl Ihren Steuerberater darauf an, denn die Registrierung kann noch während der Beratung nachgeholt werden.

Was gefördert wird

Gefördert werden individuelle Beratungen zu allen wirtschaftlichen, finanziellen, personellen und organisatorischen Fragen der Unternehmensführung oder sonstige Beratungen zur Wiederherstellung der Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens.

Konkret bedeutet das, dass Sie zum Beispiel alle Handlungsoptionen auf ihre Wirtschaftlichkeit untersuchen lassen können. Sie können etwa berechnen lassen, unter welchen Voraussetzungen es sich für Sie lohnt, Ihre Waren künftig als Lieferservice oder per Warenautomat zu vertreiben. Oder ob und unter welchen Bedingungen es rentabel ist, bestehende Produktionsstrecken für Produkte, die wegen der Corona-Krise besonders gefragt sind, umzurüsten.

Viele betriebswirtschaftliche Fragen lassen sich am effektivsten mit den Zahlen aus Finanzbuchführung, Steuern und Lohn klären. Daher ist Ihr Steuerberater ein guter Ansprechpartner für eine betriebswirtschaftliche Beratung.

PRAXIstipp

Je genauer Sie Ihren Beratungsbedarf formulieren, umso besser kann der Berater auf Sie eingehen. Gerade wenn Sie daran denken, neue Geschäftsfelder zu etablieren oder bestehende umzustrukturieren, ist es sinnvoll, wenn dazu bereits Konzeptideen vorhanden sind. Dann kann der Berater die Machbarkeit prüfen und Optimierungen aufzeigen.

Welche Unternehmen werden gefördert?

Antragsberechtigt sind kleine und mittelgroße Unternehmen und Freiberufler, die unter wirtschaftlichen Auswirkungen aufgrund der Corona-Krise leiden und ihren Sitz in Deutschland haben.

Welche Unternehmen werden nicht gefördert?

Die Übernahme der Beratungskosten können Sie nicht in Anspruch nehmen, wenn

  • bereits ein Insolvenzantrag gestellt wurde oder die Verpflichtung dazu besteht. Wenn Ihr Unternehmen wegen der Corona-Krise derzeit in finanziellen Schwierigkeiten ist, Sie aber davon ausgehen, dass der Engpass noch behoben werden kann, ist eine Förderung möglich.
  • Sie als Freiberufler in der Unternehmensberatung, Wirtschaftsberatung, Wirtschafts- oder Buchprüfung oder Steuerberatung beziehungsweise als Rechtsanwalt, Notar oder Insolvenzverwalter tätig sind.
  • Ihr Unternehmen beratend oder schulend tätig ist oder werden will.
  • Ihr Unternehmen gemeinnützig ist oder es sich um einen gemeinnützigen Verein oder eine gemeinnützige Stiftung handelt.
  • Sie ein landwirtschaftliches Unternehmen betreiben (Primärerzeugung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Fischerei, Aquakultur).
  • Ihr Unternehmen in einem Beteiligungsverhältnis zu Religionsgemeinschaften, juristischen Personen des öffentlichen Rechts oder zu deren Eigenbetreiben steht.

Art der Förderung

Der Zuschuss beträgt 100 Prozent, maximal 4.000 Euro der in Rechnung gestellten Beratungskosten. Zu den Beratungskosten zählen neben dem Honorar auch die Reisekosten sowie Auslagen des Beraters. Ein bestimmter Stunden- oder Tagessatz ist dabei nicht vorgegeben.

Der Zuschuss wird direkt auf das Konto des Beraters ausgezahlt. Sie müssen die Kosten für die Beratung also nicht vorfinanzieren! Lediglich die Umsatzsteuer ist von Ihnen zu verauslagen.

PRAXIstipp

Auch wenn erst der Antrag beim BAFA gestellt werden muss, bevor ein Beratungsvertrag geschlossen wird, ist es sinnvoll, vorab mit dem gewünschten Berater zu klären, wie der Kostenrahmen aussehen kann.

Erstantrag vor Beratungsbeginn

Die Antragstellung ist unkompliziert und kann ohne großen Zeitaufwand durchgeführt werden.

PRAXIstipp

Sprechen Sie Ihren Steuerberater an, wenn Sie eine geförderte betriebswirtschaftliche Beratung in Anspruch nehmen möchten. Denn Ihr Steuerberater kennt Ihr Unternehmen und die regionalen Besonderheiten Ihres Markts bereits gut und ist daher prädestiniert für individuelle Krisenberatung. Er kann Ihnen auch die für die Antragstellung benötigten Angaben zusammenstellen.

Nach Stellung des Antrags werden die formalen Fördervoraussetzungen geprüft und Sie erhalten ein Schreiben, dass Sie darüber informiert, ob Sie eine Förderung bekommen können und Ihnen die Bedingungen der Förderung sowie die Vorlagefristen für den Verwendungsnachweis erläutert.

Erst nach Erhalt dieser unverbindlichen Zusage kann mit der Beratung begonnen werden, ansonsten kann kein Zuschuss gewährt werden. Eine rückwirkende Förderung ist ausgeschlossen.

PRAXIstipp

Als förderungsschädlicher Beginn der Beratung zählt schon der Abschluss des Beratungsvertrags. Warten Sie also mit dem Abschluss des Beratungsvertrages bis zur Information zur Förderung durch das BAFA.

Erstattungsantrag nach der Beratung

Der Erstattungsantrag ist mit allen erforderlichen Nachweisen bis zum 31. Dezember 2020 zu stellen. Der Verwendungsnachweis muss spätestens sechs Monate nach Erhalt des Informationsschreibens zur Erlaubnis des Maßnahmenbeginns eingereicht werden. Eine Fristverlängerung kann erfolgen, wenn vor Ablauf der Frist ein begründeter Verlängerungsantrag gestellt wird.

Checkliste HILFT BEI ANTRAGSTELLUNG

Diese Checkliste zeigt Ihnen die erforderlichen Angaben für den Antrag.